Nominierte

Schweizer Filmpreis 2021

Auf dieser Plattform findet ihr die spannendsten Themen und Geschichten rund um die Preisverleihung am 26. März 2021. Wir bieten Hintergrundinformationen, Interviews, Porträts und viele Specials. Hier die Nominierten auf einen Blick:

Bester Spielfilm, je Nomination CHF 25'000
ATLAS von Niccolò Castelli (Imago Film SA, Villi Hermann)
MARE von Andrea Štaka (Okofilm Productions GmbH, Andrea Štaka, Thomas Imbach)
PLATZSPITZBABY von Pierre Monnard (C-FILMS AG, Peter Reichenbach)
SCHWESTERLEIN von Stéphanie Chuat, Véronique Reymond (Vega Film AG, Ruth Waldburger)
WANDA, MEIN WUNDER von Bettina Oberli (Zodiac Pictures Ltd, Lukas Hobi, Reto Schaerli)

Bester Dokumentarfilm, je Nomination CHF 25'000
5 NOUVELLES DU CERVEAU von Jean-Stéphane Bron (Bande à part Films Sàrl, Lionel Baier)
DAS NEUE EVANGELIUM von Milo Rau (Langfilm – Bernard Lang AG, Olivier Zobrist)
IL MIO CORPO von Michele Pennetta (Close Up Films Sàrl, Joëlle Bertossa, Flavia Zanon)
NEMESIS von Thomas Imbach (Okofilm Productions GmbH, Thomas Imbach, Andrea Štaka)
SAUDI RUNAWAY von Susanne Regina Meures (Christian Frei Filmproduktion GmbH, Christian Frei)

Bester Kurzfilm, je Nomination CHF 10’000
DAS SPIEL von Roman Hodel (Ensemble Film GmbH, Franziska Sonder)
DEINE STRASSE von Güzin Kar (Güzin Kar)
RED ANTS BITE von Elene Naveriani (Alva Film Production Sàrl, Britta Rindelaub)
TROU NOIR von Tristan Aymon (Association Terrainvague, Isabelle Zampiero)
TUFFO von Jean-Guillaume Sonnier (Association Casa Azul Films, Jean-Guillaume Sonnier, Fabrice Aragno)

Bester Animationsfilm, je Nomination CHF 10'000
DARWIN'S NOTEBOOK von Georges Schwizgebel (Studio GDS, Georges Schwizgebel)
ÉCORCE von Samuel Patthey, Silvain Monney (DOK MOBILE SA, Mark Olexa, Francesca Scalisi)
ONLY A CHILD von Simone Giampaolo (Amka Films Productions SA, Gabriella de Gara)

Bestes Drehbuch, je Nomination CHF 5'000
MARE – Andrea Štaka
PLATZSPITZBABY – André Küttel
SCHWESTERLEIN – Stéphanie Chuat, Véronique Reymond

Beste Darstellerin, je Nomination CHF 5'000
Rachel Braunschweig (Marina) in SPAGAT / ШПАГАТ
Luna Mwezi (Mia) in PLATZSPITZBABY
Sarah Spale (Sandrine) in PLATZSPITZBABY

Beste Nebendarstellerin / Bester Nebendarsteller, je Nomination CHF 5'000
Masha Demiri (Ulyana) in SPAGAT / ШПАГАТ
Marthe Keller (Kathy) in SCHWESTERLEIN
Dimitri Stapfer (Mike) in BEYTO

Beste Filmmusik, je Nomination CHF 5'000
5 NOUVELLES DU CERVEAU – Christian Garcia-Gaucher
BURNING MEMORIES – Alice Schmid
NOT ME – A JOURNEY WITH NOT VITAL – Marcel Vaid

Beste Kamera, je Nomination CHF 5'000
ATLAS – Pietro Zuercher
NOT ME – A JOURNEY WITH NOT VITAL – Benny Jaberg
SCHWESTERLEIN – Filip Zumbrunn

Beste Montage, je Nomination CHF 5'000
CITOYEN NOBEL – Karine Sudan
PLATZSPITZBABY – Sophie Blöchlinger
SCHWESTERLEIN – Myriam Rachmuth

Bester Ton, je Nomination CHF 5'000
MARE – Benoît Barraud, Peter Bräker
NEMESIS – Peter Bräker
SCHWESTERLEIN – Patrick Storck, Gina Keller, Jacques Kieffer

Bester Abschlussfilm, je Nomination CHF 2'500
ALMA NEL BRANCO von Agnese Làposi (École Cantonale d'Art de Lausanne ECAL, IDIP Films Sàrl)
AMAZONEN EINER GROSSSTADT von Thaïs Odermatt (Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, Maximage GmbH)
BIĆEMO NAJBOLJI von Jelena Vujović (Zürcher Hochschule der Künste ZHdK)

«Mare»: Zwischen Fürsorge und Selbstliebe

Andrea Štaka lässt nahe des kroatischen Küstenorts Dubrovnik eine Frau in ihren Vierzigern aus dem immer gleichen Familienalltag ausbrechen – ganz abseits von Jetset und Ferienträumen. Andrea Štaka ist mit Mare nominiert in der Kategorie «Bester Spielfilm».

«Platzspitzbaby»: Nicht ohne meine Mutter, aber auch nicht mit ihr

Pierre Monnard schildert eindringlich das Heranwachsen eines Mädchens, das zerrissen wird zwischen seinem Bedürfnis nach Normalität und der Liebe zu seiner drogensüchtigen Mutter. «Platzspitzbaby» ist in den Kategorien «Bester Spielfilm», «Bestes Drehbuch», «Beste Montage» sowie zweimal in der Kategorie «Beste Darstellerin» nominiert.

«Amazonen einer Grossstadt»: Die unerschrocken Mutigen

Die Innerschweizerin Thaïs Odermatt spürt in ihrem ersten Kinodokumentarfilm «Amazonen einer Grossstadt» der eigenen und gesellschaftlichen Vorstellung der kämpferischen Frau nach. Sie ist nominiert in der Kategorie «Bester Abschlussfilm».

«Citoyen Nobel»: Was den Grosspapi der Klimajugend antreibt

Citoyen Nobel ist ein Portrait über Jacques Dubochet, den Schweizer Nobelpreisträger in Chemie, der entscheiden muss, wofür er seine neugewonnene Stimme nutzen will. Karine Sudan ist mit Citoyen Nobel nominiert in der Kategorie «Beste Montage».

Der Blick aus dem Fenster: «Nemesis» von Thomas Imbach

Das Leben ist eine Baustelle: Thomas Imbach hat in seinem Film «Nemesis» den Abbruch des Zürcher Güterbahnhofs abgefilmt – aus dem Wohnungsfenster.

«Nemesis» deckt über sieben Jahre hinweg drei Phasen ab. Den Abriss des alten Güterbahnhofs, die lange Zeit der planierten und bewachten Brache, und schliesslich den Bau des neuen Polizeizentrums, während dem noch einmal die ganze technische Faszination der Vorgänge im Zeitraffer für grossartige Bilder sorgt.

Thomas Imbach ist einmal mehr ein gleichzeitig persönlicher und universeller Dokumentarfilm gelungen, der gesellschaftliche Fragen nach Stadtentwicklung, zum Umgang mit anderen Menschen und mit individueller Verantwortung zu einem attraktiven Bild- und Tonstrom verbindet.

Dimitri Stapfer, der neue Star am Schweizer Fernsehhimmel?

Einmal als schwuler Schwimmtrainer, einmal als Fahnder nach deutschen Kriegsverbrechern: Sehr körperlich, immer mit Vollgas spielt sich Dimitri Stapfer in den Schweizer Schauspielorbit. Im Interview mit dem Grenchner Tagblatt im Oktober 2020 erzählt Dimitri, wie er sich auf die Rolle als schwuler Schwimmtrainer in Beyto vorbereitet hat.

Schwesterlein

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Nominiert Bester Spielfilm:
SCHWESTERLEIN von Stéphanie Chuat, Véronique Reymond (Vega Film AG, Ruth Waldburger)

Im Gespräch mit Simone Giampaolo

Only a Child entstand aus einer ebenso einfachen wie ehrgeizigen Idee: Einer der eindringlichsten Reden über die Umwelt, die jemals gehalten wurde, Leben, Form und Farbe zu verleihen. Nämlich der von Severn Cullis-Suzuki, der 1992 im Alter von gerade einmal 12 Jahren auf dem Gipfel der Vereinten Nationen in Rio sprach.

«My dad always says ‹you are what you do, not what you say›. Well, what you do makes me cry at night», Severn Cullis-Suzuki (1992)

Die von Severn Cullis-Suzuki angesprochenen Probleme sind nicht gelöst. Im Gegenteil, sie haben sich in der Zwischenzeit verschärft und die Frage der globalen Erwärmung ist zum bestimmenden Thema des 21. Jahrhunderts geworden. Also dachte ich, ich würde Severn (die im Umweltbereich immer noch so aktiv ist) persönlich kontaktieren. Severn war sofort begeistert von der Idee, ihre Rede in eine Animation zu verwandeln.

Ich hatte das Gefühl, dass ich diesen Kurzfilm nicht alleine machen konnte. Ich brauchte mehr Blickwinkel, Sensibilität und Autoren-«Hände». Gerade weil das Thema so komplex und wichtig ist, dass es eine Vielzahl von Interpretationen und Sichtweisen braucht. Only a Child will die Vielfalt und Qualität der Schweizer Animation in den verschiedenen Sprachregionen und Kantonen des Landes sichtbar machen. Ein wunderbares Team von mehr als zwanzig Fachleuten war geboren, und auch wenn diese Mischung anfangs eine schwierige Herausforderung zu sein schien, erwies sie sich am Ende als eine perfekte und harmonische Vereinigung von vielfältigen und artikulierten Visionen.

Für die Produktion habe ich mich an Amka Films Productions gewandt, weil sie sich schon immer mit aktuellen Themen und menschlicher Tiefe beschäftigt hat. Für Amka Films war es eine besondere Herausforderung, da das Unternehmen noch nie direkt mit Animation zu tun hatte. Eine Gelegenheit, die die Produktionsfirma mit Leidenschaft und Enthusiasmus begrüsste. Das Treffen mit Tiziana Soudani war aufschlussreich und überraschend. Obwohl sie wenig über Animation wusste, glaubte sie fest an die Botschaft, die ich vermitteln wollte, und an meine Vision, wie sie zu vermitteln sei. Tiziana war äusserst neugierig, engagiert, initiativ und immer voller Ideen und Ermutigungen. Ich verdanke es hauptsächlich ihr, dass Only a Child entstand. Ich bin sehr dankbar für diesen Erfolg und mein Dank geht an alle meine Animationskollegen und an diejenigen, die an mich und an dieses «kleine Mädchen» geglaubt haben, besonders an meine Produzentinnen Tiziana Soudani und Gabriella de Gara.


Originalversion:

Only a Child nasce da un’idea tanto semplice quanto ambiziosa: dare vita, forma e colore a uno dei più intensi discorsi sull’ambiente mai pronunciati, quello di Severn Cullis-Suzuki che nel 1992, a soli 12 anni, parlò al vertice delle Nazioni Unite di Rio.

I problemi che Severn Cullis-Suzuki solleva non si sono risolti, anzi sono peggiorati nel frattempo e la questione del riscaldamento globale è diventato l’argomento portante del 21° secolo. È così che ho pensato di contattare personalmente Severn (ancora oggi più attiva che mai in campo ambientale) che si è subito mostrata entusiasta dell’idea di trasformare il suo discorso in un’animazione.

Sentivo anche di non poter fare questo cortometraggio da solo, avevo bisogno di più sguardi, sensibilità e «mani» autoriali proprio perché il tema è cosi complesso e importante che necessita di una molteplicità di interpretazioni e punti di vista. Only a Child vuole anche dare visibilità alla diversità e alla qualità dell’animazione svizzera nelle diverse regioni linguistiche del paese e in diversi Cantoni. È quindi nata una squadra meravigliosa di oltre venti professionisti e se all’inizio questo mix poteva sembrare una sfida difficile da affrontare alla fine si è rivelato un connubio perfetto ed armonico di visioni molteplici ed articolate che ci ha permesso di mettere la nostra forma d’arte al servizio del pianeta.

Per la produzione mi sono rivolto ad Amka Films Productions perché da sempre tratta temi di attualità e spessore umano. Per Amka Films si è trattato di una sfida particolare non essendo mai stata coinvolta direttamente nell’animazione, un’opportunità che la società di produzione ha accolto con passione ed entusiasmo. L’incontro con Tiziana Soudani è stato rivelatore e sorprendente. Pur conoscendo poco di animazione, ha creduto fortemente nel messaggio che volevo dare e nella mia visione di come veicolarlo. Si è dimostrata estremamente curiosa, coinvolta e propositiva, sempre ricca di spunti e di incoraggiamenti e devo soprattutto a lei se adesso Only a child esiste. Sono davvero emozionato e grato per questo traguardo e la mia gratitudine va a tutti i miei colleghi animatori, e a chi ha creduto in me e in questa «piccola bambina», in particolare alle mie produttrici Tiziana Soudani e Gabriella de Gara.

Only a Child

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Nominiert Bester Animationsfilm:
ONLY A CHILD von Simone Giampaolo (Amka Films Productions SA, Gabriella de Gara)

DEINE STRASSE an der Berlinale 2021

DEINE STRASSE von Güzin Kar – nominiert in der Kategorie «Bester Kurzfilm» – ist an der Berlinale 2021 für den Goldenen Bären für den Besten Kurzfilm und den Silbernen Bären Preis der Jury (Kurzfilm) nominiert. Liebe Güzin, wir gratulieren herzlich!

Burning Memories

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Nominiert Beste Filmmusik:
BURNING MEMORIES – Alice Schmid

Bettina Oberli im Gespräch

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Wer muss für unseren Wohlstand arbeiten? Die Regisseurin Bettina Oberli wirft mit ihrem Film WANDA, MEIN WUNDER nominiert in der Kategorie «Bester Spielfilm» einen kritischen Blick auf unsere Gesellschaft.

Wanda, mein Wunder

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Nominiert Bester Spielfilm:
WANDA, MEIN WUNDER von Bettina Oberli (Zodiac Pictures Ltd, Lukas Hobi, Reto Schaerli)

Alice Schmid im Gespräch

Alice Schmid ist mit Burning Memories nominiert in der Kategorie «Beste Filmmusik». Für uns spricht sie über die Entstehung der Filmmusik.

Seit ich neun Jahre alt bin, spiele ich Akkordeon. Als Seminaristin gründete ich eine Band; I più maestosi di tutti. Damit gewannen wir 1972 am ersten Blues- und Rockfestival Luzern den Spezialpreis der Jury. Auf meinen Reisen als Filmemacherin habe ich das Akkordeon immer dabei. Es dient mir als Sprachbrücke mit den KinderprotagonistInnen rund um die Welt.

«Das Akkordeon war schon immer ein wichtiges Element in meinen Filmen, sowohl im Bild wie im Ton. Ich bin damit aufgewachsen. Das Akkordeon ist ein Teil von mir.»

Burning Memories ist ein intimer Film. Für die Aufnahmen in der Wüste waren wir nur zu zweit unterwegs, die Kamerafrau Karin Slater und ich. Wegen heftigem Wind hatten wir oft Tonprobleme. Meine Akkordeonklänge wurden «verweht». Guido Keller baute mir während des Editings Zuhause ein Minitonstudio. Hier nahm ich zu den einzelnen Szenen Klänge auf.

 

Sophie Blöchlinger im Gespräch

Sophie Blöchlinger ist mit Platzspitzbaby nominiert in der Kategorie «Beste Montage». Für uns spricht sie über ganz persönliche Einblicke ihrer Arbeit.

Meine Arbeit an einem Film beginnt meistens ziemlich genau in der Nacht des Abschlussfestes von einem Dreh. Dort finde ich dann einen Raum voller bis auf die Knochen erschöpften aber glücklichen Filmschaffenden, die stolz auf die vergangenen Wochen zurückblicken und das Glas auf getane Arbeit erheben. Sie wachsen in diesen Wochen zu einer kleinen Familie zusammen und erschaffen in einem monumentalen Kraftakt das, was am nächsten Tag in der Stille meines Schnittraumes auf mich wartet – 100 Stunden Rohmaterial und meine damit verbundene Hoffnung, dass es irgendwann mit mir zu sprechen beginnt.

Der Schnitt von Platzspitzbaby entstand im Hochsommer 2019 im kleinsten Zimmer meiner Zürcher Stadtwohnung im Kreis 6, wo ich tagsüber vor Hitze oft fast in Ohnmacht fiel, während mein Sohn draussen die Balkonpflanzen ertränkte und ich Nachts beim Visionieren des Materials mehr als einmal ein paar Tränen vergoss. Wichtig war mir vor allem, dass der Rhythmus des Filmes mit den emotionalen Achterbahnfahrten der Hauptdarstellerin mithalten kann und man spürt, dass sich für die junge Mia, die Zeit mal fast unerträglich zäh in die Länge streckt und doch kurz darauf das Leben an ihr vorbeirast und ihr die Momente nur so um die Ohren haut. Zusätzlich ist in mir natürlich der Wunsch, dass der Schnitt – wie so oft und besonders bei einem Film der am Herzen ein bisschen rütteln soll – unsichtbar wird.

«Für mich entsteht die Kreativität aus der Freude und die Freude aus der Freiheit.»

Pierre Monnard hat ein klare Idee von diesem bezeichnenden Stop-and-Go-Takt in den Schnittraum mitgebracht und ausserdem genug Vertrauen in mich und sich selbst, um der Suche nach einer eindringlichen Filmsprache seinen Lauf zu lassen. Für mich entsteht die Kreativität aus der Freude und die Freude aus der Freiheit – die sich ohne eine gehörige Portion Selbstverantwortung nicht richtig entfalten könnte.